Um sich an den Klimawandel anzupassen, nutzt Hamburg übergeordnete, stadtweite Strategien, setzt für die neuen Stadtentwicklungsgebiete hohe Ziele an und versucht in der bestehenden Stadt durch konkrete Klimaanpassungsmaßnahmen einen Beitrag zu leisten. Von Mirjam Lenzen


Der Beitrag ist die schriftliche Zusammenfassung des Vortrags von Mirjam Lenzen im Rahmen des internationalen Symposiums „Designing Green and Resilient Cities“ am 10. April 2025 in Wien.

Hamburgs städtebauliche Gesamtkonzepte
Klimaanpassung geschieht lokal und jede Stadt hat unterschiedliche Bedingungen, an die sie sich im Klimawandel anpassen muss. Hamburg liegt in der Nähe des Meeres und an der Elbe. Als „Stadt am Wasser“ muss sie sich daher vor allem mit den Risiken von Küsten- und Flusshochwasser auseinandersetzen. Aufgrund ihrer Lage in der norddeutschen Tiefebene, der weitläufigen Grün- und Freiflächen rund um die Stadt, hat Hamburg noch gemäßigte Temperaturen – zumindest hatte sie das in den vergangenen Jahrzehnten. In der Stadtentwicklung versucht Hamburg seit langem die Gunst der Wasserlagen zu nutzen und gleichzeitig genau an diesen Lagen Schutzmaßnahmen vor den Auswirkungen des Klimawandels zu ergreifen. Vor steigenden sommerlichen Temperaturen – Hitze und Trockenheit – wird die Stadt künftig umfassendere Maßnahmen brauchen. Zugleich kann Hamburg auf eine sehr weitsichtig angelegte gesamtstädtische Strategie des ersten Oberbaudirektors Fritz Schumacher (1909-1933) als Grundlage für weitere Konzepte zurückgreifen. Sowohl die aktuelle Magistralenstrategie als auch das freiräumliche und städtebauliche Leitbild beziehen sich auf den „Federplan“.

Historische Raumvision: Der Federplan
Alle aktuellen Leitlinien und räumlichen Visionen gehen auf den über hundert Jahre alten „Federplan“ von Oberbaudirektor Fritz Schumacher aus dem Jahr 1919 zurück. Schumacher betrachtete die Stadt als einen Organismus: Vom inneren Kern aus bilden Hauptverkehrsachsen, ehemalige Schienenstrecken und Siedlungsachsen die Struktur, während die Landschaft vom Stadtrand mit den Grünräumen der Stadt verbunden wird.  

Diagramm des Federplans von Fritz Schumacher, das die städtebauliche Entwicklung Hamburgs skizziert, mit Altona und Harburg im Fokus.
Abb. 1: Fritz Schumachers Federplan 1919. © Staatsarchiv Hamburg

Städtebauliches Leitbild: Grüne Metropole am Wasser
Das übergeordnete städtebauliche Leitbild Hamburgs der letzten 20 Jahre „Grüne Metropole am Wasser“ orientiert sich an dieser konzentrischen Entwicklung entlang der alten Verkehrswege. Zwischen den Entwicklungsachsen erstrecken sich Landschaftsräume in die Stadt hinein. Obwohl das Leitbild auch auf eine Vernetzung mit dem Umland abzielt, liegt der Schwerpunkt auf der Innenentwicklung. Es formuliert Ziele und Aufgaben, um die Stadtentwicklung einer wachsenden Stadt zu steuern. Dieses Leitbild gilt nach wie vor und wird derzeit an sich verändernde Rahmenbedingungen angepasst.

Freiräumliches Leitbild: Grünes Netz
Das freiräumliche Leitbild Hamburgs geht ebenfalls auf den Federplan zurück. Das sogenannte „Grüne Netz“ beschreibt die Grün- und Freiraumstruktur: zwölf strahlenförmigen Landschaftsachsen, die vom Umland in die Innenstadt führen. Sie dienen der Erholung der Bevölkerung, bilden ökologisch wirksame Landschaften, sorgen für Kaltluftströme und schaffen Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Zwei große Grüngürtel und zahlreiche Parks leiten Regenwasser über die Grünflächen in den Boden und bieten zusätzliche Erholungsräume, wodurch die Lebensqualität gesteigert wird. Dieses stadtweite Grünkonzept ist entscheidend für Biodiversität, Stadtklima und Wasserhaushalt und soll auch zukünftig erhalten und weiter gestärkt werden.

Eine schematische Darstellung der Stadt Hamburg, die die grünen Ringe und Landschaftsachsen zeigt, die sich um ein zentrales Gebäude gruppieren.
Abb. 2: Hamburgs Grünes Netz. © BUKEA, Studio Käfig

Magistralen Masterplan 2040+
Diese räumlichen Visionen werden durch den Masterplan Magistralen 2040+ ergänzt, der 2024 von der Stadt veröffentlicht wurde. Der Masterplan behandelt die räumlichen Entwicklungspotentiale entlang von zwölf Hauptverkehrsstraßen und integriert nicht nur die Themen Mobilität, Mischnutzung und effiziente Bebauung, sondern auch die Klimaanpassung in den angrenzenden Gebieten. Vier Hauptstrategien bilden den Kern: Vitalität und Vielfalt, Schwerpunkte der Innenentwicklung, nachhaltige Mobilität sowie Klimaanpassung. Damit ist letztere gleichwertig in die städtische Gesamtstrategie eingebunden.

Illustration zur Klimaanpassung in Hamburg mit vier zentralen Themen: Klimaanpassung, Lebendigkeit & Vielfalt, zukunftsfähige Mobilität und Schwerpunkte der Innenentwicklung.
Abb. 3: Strategiekarten Magistralen Masterplan 2040+. © ASTOC ARCHITECTS AND PLANERS GmbH, urban catalyst GmbH, berchtoldkrass space&options, ARGUS Stadt und Verkehr

Schwerpunkte in der Klimaanpassung: Hitze und Hochwasser
In bestehenden innerstädtischen Quartieren ist Klimaanpassung eine Herausforderung: Denkmalschutz, Flächenkonkurrenz zwischen baulicher Nachverdichtung, Stellplätzen, neuer Mobilität, Grünflächen und unterirdischer Infrastruktur schränken Maßnahmen ein. Darüber hinaus ist die Instandhaltung für die kommunale Ebene oft schwierig zu bewältigen.

Hamburg setzt aktuell stadtweit auf Entsiegelungen und Baumpflanzungen von widerstandsfähigen Sorten an Straßen und Plätzen, um das Stadtklima resilienter zu gestalten. Temporäre Pflanztröge bieten kurzfristig und vorläufig Aufenthaltsqualität, Schatten und Kühlung; sie testen Möglichkeiten für umsetzbare Maßnahmen sowie die Akzeptanz von Aufenthaltsorten.

Der Hochwasserschutz ist bereits seit der Sturmflut von 1962 für Hamburg von zentraler Bedeutung und wird auch künftig eine wichtige Maßnahme bei der Klimaanpassung bleiben. Ein ausgedehntes Deichsystem mit einer mittleren Höhe von 8,20 m NHN (Normalhöhennull) sichert die Stadt gegen Überflutungen, ergänzt durch umfangreiche Bauwerke und Infrastruktur. Die Deichhöhe berücksichtigt einen prognostizierten Meeresspiegelanstieg bis 2050. Bei der Entwicklung neuer Quartiere außerhalb der Deichlinie finden zusätzliche Schutzmaßnahmen Anwendung. In der HafenCity wurden Warften auf 7,80 m bis 8,50 m NHN angelegt. Diese Tradition norddeutscher Siedlungsmuster wird modern interpretiert: Untergeschosse dienen als hochwassergesicherte Flächen; Treppenanlagen und öffentliche Plätze fungieren zugleich als Wellenbrecher und als Aufenthaltsorte. So bleiben historische Kaikanten erlebbar und der Wasserbezug erhalten, ohne den Schutz der Stadt zu kompromittieren.

Der Schutz gegen die Auswirkungen von Extremwettereignissen wie Hochwasser oder Starkregen werden in allen derzeitigen städtebaulichen Konzepten berücksichtigt: Die folgenden drei Beispiele erläutern den planerischen Umgang mit unterschiedlichen ortsspezifischen Rahmenbedingungen.

Kleiner Grasbrook – großer Park
Auf dem Kleinen Grasbrook entsteht ein Stadtteil, dessen Planung den erwarteten Anstieg des Meeresspiegels über einen Zeitraum von 120 Jahren einbezieht. Auf einer Geländehöhe von 9,70 m NHN entwickelt sich ein neues urbanes Quartier am Wasser. Die Uferbereiche und Promenaden bleiben auf dem Bestandsniveau von 5,50 m NHN und unterliegen somit dem regelmäßigen Tidenhub der Elbe von 3,80 Metern. Das ehemals vollständig versiegelte Hafengebiet wandelt sich zu einem grünen Stadtteil, in dessen Mitte ein zehn Hektar großer öffentlicher Park liegen soll, dessen Uferbereiche das Wasser naturnah erlebbar machen.  So bieten der Park und die neun Hektar umfassenden Gewässerzonen teilweise als Flusswattlandschaft erlebbaren Naturraum für Bewohner*innen und Besucher*innen und schaffen zugleich Lebensraum für Flora und Fauna, verbessern das Mikroklima, stärken die Biodiversität und dienen ebenso als Ausgleichfläche zur Aufnahme von Hochwasser und Starkregen.

Ansicht eines modernen Stadtquartiers in Hamburg mit grünen Parkanlagen, neuen Wohngebäuden und Wasserflächen, dargestellt in einem architektonischen Rendering.
Abb. 4: Grasbrook – Blick auf den Park. © Herzog & de Meuron + VOGT

Ein Flächenspeicher im Warftgeschoss, auf dem alle Neubauten errichtet werden, ist ein bauliches Mittel des Wassermanagements. Dieser unterirdische Speicher dient der Regenbewirtschaftung bei Extremwetterereignissen, indem er Wasser bei Starkregen aufnimmt und speichert. Dieses kann zur Bewässerung von Pflanzen verwendet werden, wodurch der Trinkwasserverbrauch reduziert, und Hitzestress vorgebeugt werden kann. 

Auf einer ehemaligen Hafenfläche auf der Südseite der Elbe werden künftig bis zu 7.000 Menschen in einem dichten, urbanen Quartier leben und rund 16.000 Menschen arbeiten sowie etwa 9.000 Bäume in den Straßen und privaten Innenhöfen gepflanzt. Die Landschaftsarchitektur wird den Stadtteil maßgeblich prägen, die Wasserlage sowie die Grün- und Naturräume werden sowohl zur Identität und Lebensqualität als auch zur Klimaanpassung beitragen.

Oberbillwerder – Grüner Loop
Hamburgs neuer 105. Stadtteil, wird mit rund 7.000 Wohnungen und etwa 4.000 Arbeitsplätzen der zweitgrößte nach der HafenCity sein. Geplant ist ein klimaangepasstes Wassermanagement, das zugleich als Erholungs- und Aktivitätsfläche dient – ein Beispiel dafür, wie Klimaanpassung und Stadtraumgestaltung auf Quartiersebene ineinandergreifen können.

Das Areal am Stadtrand ist landwirtschaftlich geprägt und durch einen hohen Grundwasserspiegel besonders gefährdet. Das städtebauliche Konzept der „Connected City“ verwebt die Landschaft mit einer neuen Urbanität: Wasserläufe und Grünachsen aus der Umgebung ziehen sich in den Stadtteil hinein und verbinden sich mit öffentlichen Räumen und Gebäuden zu lebendigen Nachbarschaften.

Eine malerische Parklandschaft mit grünen Wiesen, Bäumen und einem kleinen Fluss. Menschen sitzen auf dem Gras, genießen die Natur und unternehmen Freizeitaktivitäten.
Abb. 5: Grüner Loop – Regenwassermanagement in Auenlandschaft. © Atelier Loidl Landschaftsarchitekten Berlin GmbH / IBA Hamburg GmbH

Herzstück Oberbillwerders ist der Grüne Loop – ein Bandpark, der die neuen Quartiere verbindet. Dieser ist nicht nur eine nutzbare Freizeitfläche, sondern auch eine technische Notwendigkeit. Durchzogen von einem Bach und umgeben von Wiesenlandschaften bietet er Sport- und Spielflächen, schafft Lebensräume für Tiere und Pflanzen und bildet zusammen mit den Kanälen ein dauerhaft wasserführendes und verbundenes System, das selbst Starkregenereignisse bewältigen kann.

Um Hitzestress zu vermeiden, wurden in der Planungsphase Wärmeinseln simuliert; die Ergebnisse flossen direkt in planungsrechtliche Vorgaben ein: diese sehen vor, mindestens die Hälfte aller Innenfassaden zu begrünen, Dächer als Gründächer und Terrassen auszuführen oder sie mit Photovoltaik auszustatten. So entsteht auch hier ein Stadtteil, der Freiraum und urbane Dichte in einer zeitgemäßen, klimaresilienten Form zusammenführt.

Mitte Altona – ein Park als Mitte
Auf dem Gelände eines ehemaligen Güterbahnhofs, mitten im Herzen Hamburgs, entstand mit Mitte Altona ein Wohnquartier, das in seinem ersten Bauabschnitt rund 1.600 Wohnungen umfasst und zugleich ein Pilotprojekt für die städtische Regeninfrastrukturanpassung (RISA) [1] darstellt. Hier verbindet sich der Anspruch, dringend benötigten Wohnraum zu schaffen, mit einer Strategie zur Klimaanpassung.

Im Zentrum des Quartiers liegt eine 2,7 Hektar große Parkanlage [2] – nicht nur grüne Oase, sondern zugleich technisches Herzstück des Wassermanagements. Ihre sanft modellierte Topografie ist so gestaltet, dass sie im Fall eines hundertjährigen Starkregenereignisses als großflächiges Rückhaltebecken dient. Eine weit gespannte Rasenfläche öffnet sich in die Tiefe, gefasst von breiten Stufen, die Höhenunterschiede ausgleichen und zugleich zum Sitzen, Spielen und Verweilen einladen.

Ein lebendiger Park in Hamburg mit einer Rasenfläche, umgeben von modernen Wohngebäuden. Menschen genießen die Außenanlage, einige mit Kindern und anderen Aktivitäten. Ein Zelt ist im Hintergrund sichtbar, während der Himmel mit einigen Wolken durchzogen ist.
Abb. 6: Mitte Altona – Park als Quartiersmitte. © Pro Quartier

Der Park übernimmt mehrere Funktionen: Er schützt das Quartier vor Überschwemmungen, wirkt als klimatischer Ausgleichsraum und schafft einen Begegnungs- und Aufenthaltsort. An heißen Sommertagen kühlt die Grünfläche spürbar die Umgebung, während das zurückgehaltene Wasser die Vegetation nährt und so auch die Artenvielfalt im Quartier fördert.

Mit einer maximalen GFZ (Geschossflächenzahl) von rund 4,0 ist die bauliche Dichte hoch, erscheint aber durch den großzügigen Freiraum nicht nur vertretbar, sondern als bewusster Kontrast zwischen Urbanität und Offenheit erlebbar. Gleichwohl zeigt der Blick auf Blockebene, dass eine stärkere Durchgrünung und Entsiegelung der vollflächig unterbauten privaten Innenhöfe und öffentlichen Straßenräume den Charakter des Quartiers zusätzlich bereichert hätte.

Landschaftsarchitektur als städtebauliches Herz
In diesen drei sehr verschiedenen Projekten bildet der Freiraum jeweils das Herz des Quartiers: ein großer Volkspark auf einem ehemaligen Hafenareal, ein Aktivitäts- und Sportband am Stadtrand und ein neuer Quartierspark mitten im innerstädtischen Altona versprechen planerisch die Identität und den Charakter des Ortes zu schaffen. Städtebau und Freiraumplanung werden in der Stadtentwicklung in Hamburg integral gedacht. Klimatische Herausforderungen, städtebauliche Anforderungen und soziale Bedürfnisse lassen sich in der Landschaftsarchitektur verbinden, denn diese übernimmt ökologische, soziale und technische Funktionen. In Mitte Altona ist dieses bereits erfolgreich umgesetzt.

Bei Neuplanungen von Quartieren von übergeordnetem gesamtstädtischen Interesse gelingt es Hamburg die aktuellen Anforderungen an die Klimaanpassung planerisch größtenteils zu integrieren. In der Umsetzung sind die Erwartungen hochgesteckt. Dennoch bleibt die Aufgabe herausfordernd: Bestehende Quartiere brauchen Lösungen gegen Hitze und Starkregen, während neue Quartiere von Anfang an klimaresilient geplant werden können.

Auch wenn Hamburg auf eine weitsichtige, räumliche Vision zurückgreifen kann, und strategische Leibilder für einen zukünftigen Erwartungshorizont entwirft, sind für die Herausforderungen der Klimaanpassung kurzfristige konkrete Umsetzungsstrategien und -maßnahmen erforderlich. Das bereits teilweise realisierte Projekt Mitte Altona wirft somit eine grundsätzliche Frage auf: Wie können die anderen städtebaulichen Projekte, die sich über viele Jahre von der Planung bis zur Umsetzung erstrecken, mit der wachsenden Dringlichkeit der Klimaanpassung Schritt halten – ohne dass sie vor ihrer Fertigstellung von der Realität überholt werden?


Endnoten:
[1]: RISA (RegenInfraStrukturAnpassung) ist ein Projekt der Freien und Hansestadt Hamburg, das seit 2009 in enger Zusammenarbeit verschiedener Behörden und städtischer Akteure ein Konzept zum zukunftsfähigen Regenwassermanagement entwickelt hat und Förderprogramme bereitstellt. http://www.risa-hamburg.de
[2]: Der Park Mitte Altona der Schweizer Landschaftsarchitekten Rotzler Krebs Partner, heute Krebs und Herde, wurde 2021 in der Kategorie Wohnumfeld mit dem deutschen Landschaftsarchitekturpreis ausgezeichnet.

Dipl.-Ing. Mirjam Lenzen ist persönliche Referentin des Oberbaudirektors der Freien und Hansestadt Hamburg. In der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen unterstützt sie ihn in gesamtstädtischen Konzepten und beim Erhalt der Stadtgestalt. Als studierte Architektin verfügt sie zudem über langjährige Berufserfahrung in Büros in Paris, Stuttgart und Hamburg. mirjam.lenzen@bsw.hamburg.de